Am Montag schlafe ich nach dem Früh­stück erstmal noch eine Runde nach der anstren­genden Über­fahrt nach Athen während Fabio mit Naem in die Stadt geht. Als wir gegen 11:45 Uhr auschecken geht es mir schon wieder ein bisschen besser. Wir treffen uns mit der Anwältin Yiota Masou­ridou und irren bei der Suche nach ihr erst einmal durch Athen. Nachdem sie uns in ihr Büro einge­laden hat, erzählen wir ihr von der Reise und sie erläutert uns diverse recht­liche Aspekte bezüglich Flucht und Asyl. Ihr Freund, der Histo­riker ist und über NS-Archäo­logen in Griechenland forscht, ist auch dort.

Nach dem Gespräch treffen wir uns mit Naem in der Innen­stadt und beschließen mit der U-Bahn zum ehema­ligen Flughafen zu fahren, neben dem sich nun ein Camp für Refugees befinden soll. Dort angekommen weiß aber niemand etwas von dem Camp. Wir steigen schließlich in ein Taxi und finden nach diversen Irrfahrten und Anrufen unser Ziel. Dort angekommen wird uns der Eintritt nicht gestattet. Aber zum Vergleich mit Lesbos ist der Wachmann in der Lage uns dies freundlich mitzu­teilen. Wir erfahren von ihm noch, dass in das Camp vor allem Familien, Frauen und Kinder kommen, die sich nachts andern­falls am Victoria Square aufhalten würden. Tagsüber harren sie dort aus und kaufen sich Tickets für den Bus an die Grenze. Nachts sammelt die Polizei die übrig­ge­blie­benen Schutz­losen ein.

U-Bahnstation Victoria SquareU-Bahnstation Victoria Square

Wir fahren zum Victoria Square – einem belebten Platz mitten in der Innen­stadt. Cafes, Bars und Restau­rants umgeben den schmalen Platz. Überall treffen wir auf Touristen und Einhei­mische, die ihren Tag ausklingen lassen. Zwischen ihnen sitzen zahlreiche Refugees. Gemeinsam mit Salme­hudin und Naem kaufen wir uns Tickets für einen Bus, der um 24 Uhr abfahren soll und 35€ kostet, und verbringen die verblei­benden Stunden in einem Café. Ich beschließe ein bisschen spazieren zu gehen und entdecke zwei Fixer in einem Hauseingang, nur unweit von dem von der Polizei bewachten Victoria Square. Auch sie scheinen von den Refugees und der damit verbun­denen ander­wei­tigen Einbindung der Polizei zu profi­tieren. Um Mitter­nacht steigen wir in den Bus und fahren zur mazedo­ni­schen Grenze. Die meiste Zeit der Fahrt schlafe ich oder schaue aus dem Fenster.

Victoria Square bei NachtVictoria Square bei Nacht

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