Schon die wenigen Stunden Schlaf während der Fahrt im alten Reisebus führen unwei­gerlich zu Nacken­schmerzen und wirklich erholt bin ich danach nicht. Aber Erholung ist auch nicht das Ziel dieser Reise. 20151027_092512 Nach zwei Zwischen­stopps erreichen wir das Camp an der griechisch-mazedo­ni­schen Grenze. Es ist mittler­weile 7 Uhr morgens. Dort angekommen sind die Polizisten sichtlich irritiert, als ihnen Fabios helle Haut- und Haarfarbe auffällt. Schnell zücke ich meinen Ausweis und gebe mich als sein ebenfalls deutscher Reise­be­gleiter zu erkennen. Durch meine dunkle Haarfarbe wurde ich schon mehrmals während der Reise für einen Afghanen gehalten und um sinnlosen Kontakt mit der Polizei zu vermeiden, versuche ich vermeint­liche Verwechs­lungen zu verhindern. Die Polizisten müssen erstmal nachfragen, was sie mit uns machen sollen und einer von ihnen läuft mit unseren Ausweisen davon. Als er wieder zurück­kommt, erklärt er uns, wir könnten tun was wir wollten, aber er würde uns empfehlen den „of­fi­zi­ellen Grenz­über­gang“ zu benutzen.

Wir entscheiden uns, den Rat zu befolgen, da wir genug Kontakt mit der griechi­schen Polizei hatten. Also gehen wir ins nahe gelegene Dorf, früh­stücken dort und laufen dann zu Fuß weiter in Richtung Grenze. Auf halber Strecke halten wir ein Taxi an, fahren an die Grenze und über­queren diese zu Fuß. Im Gebiet zwischen Mazedonien und Griechenland nimmt uns ein mazedo­ni­scher Taxifahrer mit und bringt uns zum Busbahnhof, der unweit der mazedo­ni­schen Seite des Camps liegt, dass wir auch von dieser Seite nicht betreten dürfen. Am Ende der Stadt stehen Busse, die die vom Regis­trie­rungscamp ankom­menden Refugees abfangen und für 20€ an die serbische Grenze trans­por­tieren. Die Züge für Refugees kosten genauso viel, manchmal fahren sogar Taxis für dasselbe Geld zur Grenze. Auf dem Feldweg zwischen Camp und Trans­port­mittel stehen wieder zahlreiche Händler*innen mit Zigaretten und Sonnen­blu­men­kernen.

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Mir fällt auf, dass die Händler*innen in Griechenland und Mazedonien deutlich freund­licher zu den Refugees sind, als die staat­lichen oder europäi­schen Behörden in Griechenland. Kein Wunder, denn für sie sind Refugees mögliche Kund*innen, für staat­liche Behörden sind sie hingegen nur lästiger büro­kra­ti­scher Aufwand. Die einzigen, die in ihnen Menschen sehen, ohne sie in eine kapita­lis­tische Verwer­tungs­logik einzu­ordnen, sind wohl die Freiwil­ligen. Wir laufen zum „of­fi­zi­el­len“ Busbahnhof und fahren in die Haupt­stadt Skopje. Von dort aus geht es weiter nach Kumanovu, kurz vor der serbi­schen Grenze – Fahrpreis 7€ pro Person. Wir verbringen den Rest des Tages in Bussen, ehe wir zu Abend essen und ausgiebig das W-Lan nutzen. Ich trinke mein Radler, während Bayern bereits zur Halbzeit das DFB-Pokal­spiel gegen den VFL Wolfsburg klar für sich entscheidet. Für den kurzen Moment des Spiels vergesse ich die gesamte Situation, die Reise und meinen Aufent­haltsort.

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